Urlaub mit Eltern

Wenn man aus den mittleren in die späten Zwanziger kommt (und ja, in diesem Alter ist sie von Bedeutung, diese Verschiebung von 26 über 27 zu 28, in der deine Freunde anfangen schwanger zu werden oder schon Eltern zu sein oder davon zu reden, und man die Freitagabende guten Gewissens auch mal zuhause im Bett statt auf einer schwitzigen, klebrigen Tanzfläche verbringt), dann hat man häufig schon länger keinen richtigen Familienurlaub mehr gemacht.

Also Urlaub mit Eltern.

Meine Kindheitserinnerungen an diese Urlaube sind wundervoll. Sie sind warm und voller Abenteuer am Rand des türkisblauen Hotelpools auf Korfu. Zwischen dem Pool und den Zitronenbäumen am Rande der schmalen Altstadtgassen erstreckte sich eine ganze, magische Welt. Und die Zeit, sie verging so langsam (langsam, aber ohne Langeweile). Ein Tag dauerte eine Ewigkeit und bot Platz für unzählige Geschichten, die ich mir ausdenken, Personen, die ich sein konnte.

Meine Eltern sagen, ich bin immer ihr Kind, auch wenn ich erwachsen bin. Also warum nicht wieder die Kindheit fühlen, warum nicht neue Kindheitserinnerungen basteln, diesmal 2016 (egal, dass ich in meiner Übergangsphase zu den späten Zwanzigern bin, ich fühle mich jung, ich bin ja das Kind).

Realitätscheck:
Ich bin das Kind meiner Eltern (check),
ich bin trotzdem schon einigermaßen groß (check),
ich biete natürlich an, bei der Hotelsuche zu helfen (check),
ich kenne Airbnb besser als meine Eltern (check),
ich kümmere mich allein um die Buchung,
weil ich glaube, dass ich es besser kann (check).

Komisch aber.
War nicht mein Vater mal der schlauste Mensch der Welt? Derjenige, der sich um alles gekümmert hat und dann wurde es gut (inklusive mir).

Vieles ist heute anders. Früher habe ich stolz beim einatmen so viel Luft wie möglich in meinem Bauch gesammelt und mit Spaß beobachtet, wie sich mein bonbongelber Badeanzug mit neonfarbenen Schleifchen immer weiter ausdehnte und die bunten Punkte darauf größer und größer wurden. Heute überlege ich, ob ich meinen Bauch einziehen soll, während ich mich langsam am felsigen Strand ins Meer vortaste (und ich trage auch keinen bonbongelben Badeanzug mit neonfarbenen Schleifchen mehr, ich bin ein modischer Angsthase geworden der behauptet, er hätte „seinen eigenen Stil gefunden“). Früher musste ich im Urlaub keine Richtung kennen, eigentlich weder links noch rechts. Ich habe nicht aufgepasst, wohin wir fuhren während ich hinten am runtergekurbelten Autofenster saß und die lauwarme Luft mir meine Haare ins Gesicht wehte. Meine Eltern planten wohin es ging, mir war alles recht, Hauptsache Abenteuer und vielleicht Eis. Heute sitze ich vorn auf dem Beifahrersitz, präge mir den Weg vom Flughafen zur Unterkunft ein und versuche gleichzeitig die gedruckte Karte auf meinem Schoß zu lesen, das Navi einzurichten und mich nach Urlaub zu fühlen.

Unsere Rollen haben sich vertauscht (obwohl die Bezeichnungen Eltern und Kind die gleichen geblieben sind). Oder aus der ehemals einseitigen Sorge meiner Eltern um mich ist einfach eine gegenseitige Sorge geworden. Wenn man erwachsen ist, dann sorgt man sich. Und man muss Entscheidungen treffen (auch im Urlaub). Botanischer Garten, spazieren über den Wochenmarkt, dieses Restaurant statt das da, jetzt Pistazieneis, später vielleicht noch eine Weinschorle oder so.

Und die Entscheidung für Urlaub.
Mit Eltern.

(Sizilien 2016)

abu

on a weekday
(I don’t quite recall which one)
we went on a bus
(in Shanghai)
it was early
(but the old folks practicing Taiji had already returned home for breakfast)
and in our shoes pieces of red paper
(to protect us from harm and evil ghosts)
we passed grey landscapes
(the urban ones with hundreds of skyscrapers)
and green valleys
(I thought they were idyllic but my mother reminded me of mosquitos)
we were welcomed by trumpets
(and more loud instruments)
played by local men from the village
(one in a colourful shirt that made me think of vacation and pineapple season)
everything after happened in a rush:
climbing a mountain
carrying red flowers
throwing golden pennies
speaking goodbyes
breaking a little
holding hands
sharing stories
and food
traveling back in time
feeling small
finding souvenirs
making new memories.
and then, finally,
we left knowing
we had brought her home.
(Shaoxing 绍兴 2017)